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Retikulozyten

Retikulozyten (Blutwert Retis): Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen

Die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) bilden sich von Geburt an aus den Vorläuferzellen (Stammzellen), diese nennt man Retikulozyten, ausschließlich im Knochenmark. Bei der Erythropoese durchlaufen die Zellen mehrere Differenzierungsschritte, wobei ein Teil der Zellen undifferenziert bleibt. Je mehr von den roten Blutkörperchen gebildet werden, desto höher liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Hämoglobin besser gebunden wird. Hämoglobin ist ein roter Blutfarbstoff, der eisenhaltig ist und für den Sauerstofftransport wichtig ist. Dem aktuellen Sauerstoffbedarf lässt sich die Erythropoese anpassen und somit lässt sich die Anzahl an roten Blutkörperchen bei Bedarf, um das zehnfache erweitern.

Normalwerte Retikulozyten

AbkürzungBeschreibungNormalwerte
RetisRetikulozyten: Anteil pro 1000 ErytrozytenMänner: 3 bis 18 pro 1.000 Erys
Frauen: 3 bis 18 pro 1.000 Erys

Was sind Retikulozyten?

Doch warum sprechen wir nicht von dem Blutwert Retis, sondern von den roten Blutkörperchen? Nun Retikulozyten bilden eine Vorstufe bei der Ausbildung von roten Blutkörperchen. Aus diesem Grund bezeichnet man Retikulozyten als „jugendliche Erythrozyten“. In den Retikulozyten befindet sich im Vergleich zu den ausgereiften Erythrozyten, die RNA (Ribonukleinsäure). Außerdem enthält der Blutwert Retis einige Anteile von Zellorganen. Nachdem sie von dem Knochenmark ins Blut abgegeben wurden, dauert es nur wenige Tage, bis sie zu ausgereiften Erythrozyten heranwachsen. Je nachdem, wie viele Retikulozyten sich im Blut befinden, lässt sich ein Hinweis auf eine oder mehrere Erkrankungen bestimmen. Eine der möglichen Erkrankungen kann beispielsweise eine Störung der Erythropoese sein.

Was bewirken Retikulozyten?

Retikulozyten sind vereinfacht beschrieben rote Blutkörperchen, die sich in einem Frühstadium der Entwicklung befinden. Sie sind noch nicht voll ausgereift und enthalten keinen Zellkern. Allerdings befindet sich in dem Zellplasma die wichtige Erbinformation, nämlich die „RNA“. In den ausgereiften Retikulozyten (roten Blutkörperchen) fehlt die RNA vollständig. Des Weiteren enthält der Blutwert Retis das endoplasmatische Retikulum, welches ebenfalls nicht mehr in fertigen Erythrozyten vorhanden ist. Das endoplasmatische Retikulum ist vor allem für Zellstoffwechselvorgänge von großer Bedeutung. Das Zellinnere lässt sich unter dem Mikroskop begutachten und dabei sieht es aus, wie ein netzförmiger Zellkern. Sobald die RNA und das endoplasmatische Retikulum ausgestoßen wurden, haben sich die Retikulozyten in Erythrozyten verwandelt.

Die Blutbildungsaktivität des Knochenmarks lässt sich unter dem Mikroskop, anhand der Anzahl von Retikulozyten bestimmen. Beispielsweise lassen sich solche Erkrankungen wie Anämie (Blutarmut) oder eine Infektion frühzeitig erkennen. Allerdings verändert sich die Anzahl von Retikulozyten im Blut, wenn die betroffene Person eine Zeit lang unter Sauerstoffmangel litt. Das ist beispielsweise bei Bergsteigern der Fall, denn in den Bergen gibt es nur wenig von dem Sauerstoff. Des Weiteren trägt Doping zur Veränderung der Retikulozyten im Blutbild des Betroffenen.

Wann müssen Retikulozyten bestimmt werden?

In diesen Fällen muss der Blutwert Retis bestimmt werden:

  • Anämie (Blutarmut)
  • Eisen-, Vitamin-B12- oder Folsäurentherapie
  • Bei einer medizinisch erforderlichen Therapie mit Erythropoetin
  • Bei Leukämie (Blutkrebs)
  • Nach einer Stammzelltransplantation

Retikulozyten lassen sich ganz einfach von ihren reifen Geschwistern unterscheiden. Dafür wird eine spezielle Färbemethode verwendet, denn reife Erythrozyten nehmen keine Farbe an. Es kommt drauf an, welche Bestimmungsmethode angewandt wird. In der Regel zählt man Erythrozyten im Verhältnis zu dem Blutwert Retis und bestimmt ihre Anzahl in Mikroliter Blut. Des Weiteren muss ein geschlechtsspezifischer Normalwert beachtet werden, denn Männer und Frauen verfügen nicht über gleiche Normalwerte der Retikulozyten und der Erythrozyten.

Die Untergrenze wird mit 5 Retikulozyten pro 1.000 Erythrozyten bestimmt und die Obergrenze liegt bei 15 Retikulozyten pro 1.000 Erythrozyten. Das heißt, der Normalwert liegt zwischen 5 und 15 Retikulozyten auf 1.000 Erythrozyten im Mikroliter Blut. Außerdem lässt sich vereinfacht darstellen, dass auf 1.000 Erythrozyten 1 Prozent der Normalwert ist. Bei den Neugeborenen und Säuglingen liegt der Normalwert deutlich höher.

Was tun bei Störungen im Blutbild

Sind Störungen im Blutbild zu vermuten, ist es empfehlenswert, die Aktivität der Retikulozyten im Knochenmark zu untersuchen. Auf diese Weise lassen sich z. B. Ursachen für eine Anämie feststellen. Außerdem ließt der Arzt anhand des Messwertes ab, ob eine Vitamin-B12- oder eine Folsäurentherapie notwendig ist. Eine der beiden Therapiearten wird bei einer Mangelanämie angewandt. Außerdem müssen Ärzte nach einer Stammzelltransplantation unbedingt eine Untersuchung des Blutwertes Retis vornehmen. Nur so können Ärzte erfahren, ob sich die Erythrozyten aus den Retikulozyten definieren. Das Erythropoetin ist ein Hormon, welches in den Nieren gebildet wird. Ist ein Patient z. B. Auf eine Dialyse angewiesen, sollte eine ständige Überwachung des Spiegels gemacht werden. Darüber hinaus wird das Hormon über zahlreiche Präparate verabreicht und dadurch erhöht sich die Anzahl an roten Blutkörperchen drastisch. Das führt wiederum zu einer erhöhten Sauerstoffaufnahme. Nach einer Chemotherapie muss der Arzt eine Untersuchung der Aktivität von Retikulozyten vornehmen.

Wann liegt ein Hinweis auf eine Erkrankung vor?

Sobald das Blutbild zu viele oder zu wenige Retikulozyten anzeigt, kann der Arzt von einer Erkrankung ausgehen. Bei einer verminderten Blutbildung weicht der Blutwert Retis nach unten ab. Hierbei sprechen Mediziner von einer „aplastischen Anämie“ oder einfach von einem Mangel des Hormons Erythropoetin. Der niedrige Blutwert Retis kann auch deshalb vorliegen, weil das Blutbild im Knochenmark gestört ist. Dabei handelt es sich um eine sogenannte „Panmyelopathie“. Der Blutwert Retis ist auch dann niedrig, wenn eine Strahlentherapie (Krebsbehandlung) oder eine Gabe von Zytostatikum vorlag.

Der Blutwert Retis ist dann erhöht, wenn eine unkontrollierte Vermehrung von Erythrozyten vorliegt. Das ist z. B. dann der Fall, wenn eine Verletzung vorliegt oder die betroffene Person eine sauerstoffarme Luft geatmet hat. Hierbei sprechen die Ärzte von einer „Hämolyse“. Das ist ein natürlicher Prozess, bei dem Erythrozyten abgebaut werden. Der Prozess kann sich deutlich erhöhen, wenn z. B. Intoxikationen, Immunreaktionen, Sichelzellanämie oder ein Parasitenbefall vorliegt. Hierbei ist die Anzahl an Retikulozyten im Vergleich zu den Erythrozyten deutlich erhöht. Wenn dem Patienten Folsäure oder Vitamin-B12 verabreicht wird, kann dies den Wert ebenfalls ansteigen lassen. Deswegen muss der Betroffene bei einem Anstieg sichergehen, dass er keine Medikamente einnimmt, die für den Anstieg des Retikulozyten-Wertes ursächlich sind.

Was tun bei einem Anstieg des Blutwert Retis Wertes?

Der Anstieg des Blutwert Retis ist dann nicht als pathologisch einzustufen, das heißt, nicht dauerhaft abweichend von dem Normalzustand des Betroffenen, wenn der Betroffene sich über einen Zeitraum im Gebirge aufgehalten hat. Hierbei versucht sich der Organismus der „dünnen Luft“ anzupassen und erhöht die Retikulozyten-Anzahl, um anschließend mehr Erythrozyten zu entwickeln. Diese sollen mehr Sauerstoff aufnehmen und somit den Sauerstoffmangel verhindern. Folglich erhöht sich der Retikulozyten-Wert und das sieht de Arzt auf einem Blutbild. Nachdem sich der Bergsteiger wieder in das gewohnte Umfeld begibt, sinkt der Retikulozyten-Wert wieder in den Normalbereich als wäre nichts passiert. Demnach liegt eine nicht pathologische Erkrankung vor.

Fazit

Retikulozyten sind wichtige Vorläuferzellen, denn sie ermöglichen die Ausbildung von Erythrozyten, die unser Organismus dringend zum Leben benötigt. Ohne Retikulozyten gäbe es keine Erythrozyten und bei einer Störung leidet der gesamte Organismus. Daher schauen sich Ärzte immer Blutwert Retis auf dem Blutbild an, um die möglichen Ursachen für eine Erkrankung besser eingrenzen zu können.

Bildnachweis:

  • Ivan Shidlovski – 123rf.com
Retikulozyten

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Autoren & Experten:
Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. med. Hermann Eichstädt, Berlin. Facharzt Innere Medizin & Kardiologie, Lebenszeitprofessor i.R. der Charité Berlin. Geschäftsführender Vorstand der Berlin- brandenburgischen Gesellschaft für Herz- und Kreislauferkrankungen e.V.
Journalist: Horst K. Berghäuser
Heilpraktiker: Felix Teske

Literatur, Quellen und Verweise:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin
Thieme Verlag
Praktische Labordiagnostik - Lehrbuch zur Laboratoriumsmedizin, klinischen Chemie und Hämatologie
Grönemeyers Buch der Gesundheit
Hallesche Krankenversicherung

Letzte Änderungen auf dieser Seite fanden am 01.08.2019 statt.